Annenmaykantereit - Alles nix konkretes

Außergewöhnlich und frisch. (10/12)

Überhyped von der FAZ, der Süddeutschen und all den anderen Konsorten werden sie als das Vorzeigeobjekt der aktuellen Generation hoch gehalten. In dem Kontext wirkt das Aushängeschild Oft Gefragt zur braven Entschuldigung bei Papa. Doch wenn man die ganzen Artikel und Lobhymnen nicht gelesen hat, bekommt man die Möglichkeit der (wirklich eigenen Stimme von) Henning May zuzuhören. „Du hast mich oft gefragt, was mich zerreißt, ich wollte nicht das du es weißt“ Das Album befasst sich mit den haltlosen Gedanken, die eigentlich in die Alterskategorie 21-23 gehören. Und catcht doch Hörer zwischen 13 und 30.

Die vier Jungs wirken sehr unverbraucht. Es macht Spaß ihren Geschichten zu lauschen und Gefühle durch andere Worte, als die üblichen Metaphern vermittelt zu bekommen. „Ich halt dich nicht fest, und lass dich nicht los, du gibst mir den Rest, die Tasche ist groß. Es tut mir leid Pocahontas… und eigentlich sind wir zulange zusammen um jetzt damit aufzuhören, aber das ist ein verdammt beschissener Grund. Und mir ist nicht egal wie gut du mich kennst…“ (Pocahontas)

Vom Sound her trifft ein einfaches Schlagzeug, mit dem Charme eines guten Straßenmusikanten auf eine Lagerfeuerakustikgitarre und einen doch immer wieder sehr dominanten Bass, der in die Musik den rockigen Touch gibt.

„Ich stelle mich selber dar, als ob nichts war. Und ich sage über gestern sprechen wir morgen. Mach dir keine Sorgen“ (Es geht mir gut). Sie fangen alles ab, was junge Menschen tangiert: Selbstverwirklichung, Erfolg, Erlebnisse, Liebe, Erwartung. Böse formuliert könnte man meinen es trifft den Ton der Spätpubertären. Dem widerspricht aber der klare Faden und die Ruhe, die zur Identität des Sounds der Band gehört.

Liebeskummer und Sehnsucht finden nicht in den üblichen, es tut weh, dass du nicht da bist Text behandelt, sondern mit den Visionen eines typischen Kopfes bildlich verpackt präsentiert: 3. Stock „Unsere Telefonate haben kein Ende aus und gut. Gab es nie: legst du als erstes auf… Auf meinem Hochbett liegt ein Bild von dir.“

Das Album betrachtet die wechselhaften Seiten der Gefühlslagen. „Und dann sagst du zu mir: Sag doch auch mal was, und dann denk ich mir gut, bevor du gehst, sag ich was: bitte bleib, bitte bleib, bitte bleib, bitte bleib nicht wie du bist.“ (Bitte bleib)

Wirklich schlechte Lieder bietet Allesnixkonkretes nicht. Mit 21, 22, 23 gibt es auch noch den Passenden Sound zur Generation. Das Lied taugt nahezu als Beschreibung für das ganze Album. „Und du wirst 21, 22, 23 und du kannst doch gar nicht wissen, was du willst und du wirst 24, 25, 26 und du tanzt nicht mehr wie Früher“ Sie geben keine Antworten auf die Fragen, der groß gefassten Echtzeitgeneration. Aber sie geben ihr eine Stimme: „Und du sagst immer, das liegt alles nicht an dir und bestellst dir noch ein Bier. Und wenn ich dich dann frage, was du werden willst – sagst du immer nur ich weiß nicht. Hauptsache nicht Mitte 30.“ Es bleibt nur zu hoffen, dass die Jungs ihre Einfachheit behalten und durch den Hype nicht in den Druck eines zweiten Albums geraten. Nachdem sie so ein unglaubliches Debüt herausgebracht haben.

Anspieltipp

3. Stock, Oft gefragt, Pocahontas



Trackliste:

1) Oft gefragt: 12/12

2) Pocahontas: 11/12

3) Es geht mir gut: 10/12

4) 3. Stock: 12/12

5) Wohin du gehst: 8/12

6) Mir wär‘ lieber du weinst: 10/12

7) Bitte bleib: 9/12

8) Neues Zimmer: 7/12

9) Barfuß am Klavier: 10/12

10) 21,22,23: 12/12

11) Länger bleiben: 9/12

12) Das Krokodil 8/12