Bosse - Engtanz

Eintönig aber konsequent (6/12)

Vielseitig startet Engtanz mit dem Lied Außerhalb der Zeit und enttäuscht auf den ersten Refrain. Wirre Textbrocken wie „Maximales nichts, minimales ich, nur Leselicht“ wirken durch Bosses sympathische Betonung zunächst poetisch. Allerdings plätschert der Opener sehr lang einfach nur vor sich hin. Auch die Blechbläser bringen wenig pepp hinein.

Doch es wird besser. Die Single Steine schafft die Brücke die man von Aki kennt: Streicher, Indie-Gitarre, groovige Musik und statischer Text. „Und so sitz ich auf dem Bett und esse Steine: alte, schwere, spitze feine, bis ich fertig damit bin, lasst mich alleine. Ich denk nur so geht es vorbei. Stein um Stein.“ Metaphorisch stark verwandelt er menschlich schwache Situationen in etwas energetisch Starkes. „Aspirin in Mangosaft macht schaumige Blasen, dein Körper ruft: Bitte bring mich heim“ – Alltagssituationen werden durch Details zu diesen gemacht und geben Liedern wie Nachttischlampe ihren erzählerisch starken Charme: „Wenn zu viel durch deinen Kopf tanzt, und du nicht weißt wohin mit dir und den Gedanken“ man muss kurz an den so erfolgreichen Wartesaal denken. Aber das kann Aki Bosse einfach.

Man ist auf kopflastige Musik eingestellt und erwartet nichts flottes mehr. Dann folgt das Bass-Intro von Krumme Symphonie und das Intro, welches auf einen schnellen Beat spielt und durch ein scheinbares Klatschen und mit dumpfen Schlagzeugschlägen daherkommt. Es klingt nach Casper. Nach dem ersten Refrain kratzt sich dieser auch sanft durch den Text. Ganz klar ein Ohrwurm, den man entweder sehr mögen wird oder skipt.

Lieder, die verloren gehen, weil sie einfach nicht entflammen gibt es leider auch. Mordor passt super ins Album: Klatschen von Krumme Symphonie und ein Zwischenspiel, das von Außerhalb der Zeit genommen wurde. Wie eine kneifende Jeans, passt, passt aber auch irgendwie nicht. Wird man nicht oft hören. Immer so lieben schließt sich dem an. Textwiederholungen sind nervig dominant, obwohl es ein sehr starkes, vielversprechendes Intro hat.

„Ein Ich ist ein Knast, ist ein ich“Wir nehmen uns mit passt sich etwas dem dudelnden Teil des Albums an, ist aber nicht so übertrieben gestaltet. Es folgt einem Muster – das was trendy ist gibt dem Menschen doch nichts: „Wir können das Leben ewig ändern, aber tauschen nicht.“

Wenn man schon mit einem zugekniffenen Auge das Album beiseitelegen will, da es bis jetzt nur ein paar Highlights bietet, haut Bosse als letztes Lied Ahoi Ade raus. Er erzählt eine Lebensgeschichte ohne Wertung. Getragen wird das Ganze von Streichern und Klavier – es reicht völlig aus. Und ist eine willkommene Abwechslung.

Das Album ist sehr poppig mit eeeetwas Indie-Charme, es gibt 3 klare Highlights: Steine, Krumme Symphonie (wenn man auf den Casper-Einfluss steht) und Ahoi Ade. Die anderen Lieder sind nicht schlecht, allerdings haben sie textlich viel mehr Harmonie als von der musikalischen Gestaltung. Es ist alles sehr voll gestaltet, sodass es manchmal anstrengend ist, wirklich auf das Lied zu hören.

Anspieltipp

Außerhalb der Zeit



Tracklist:

1) Außerhalb der Zeit: 6/12

2) Dein Hurra: 8/12

3) Steine: 10/12

4) Nachttischlampe: 6/12

5) Krumme Symphonie: 10/12

6) Mordor: 6/12

7) Immer so lieben: 5/12

8) Wir nehmen uns mit: 7/12

9) Blicke: 7/12

10) Insel: 7/12

11) Ahoi Ade: 12/12