Die apokalyptischen Reiter - Tief

Bejahendes Kopfnicken zur Ohrwurmgitarrenmelodie (8/12)

Im frisch rockigen Stil, mit einem funkigen Einschlag in der Gitarre kommt der erste Teil des Doppel-Albums daher. Schon Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit geht mit Musik und Text direkt ins Blut. Ein perfektes Erstes Lied, das große Lust auf mehr weckt. Das Schlagzeug ist gewohnt beckenlastig, doch überrascht es durch einen statisch langsamen Rhythmus an prägnanten Stellen, der das Lied erhaben und mächtig erscheinen lässt. Im Fokus steht klar die Gitarre, die durch ihren rotierenden Stil den Kopfwippenden Takt vorgibt. „Hier herrscht keine Freiheit, denn Freiheit herrscht nicht.“ Einfach formuliert haut der Text einige Zitate heraus, die tiefgründiger Sind als sie anfangs klingen.

Es folgen ein paar solide und schwächere Stücke, wie Wo es dich gibt, welches durch eine wundervolle traumartige Klaviermelodie getragen wird, die jedoch unter einem abstrakten Effekt liegt. Doch auch in Wir finden sich textliche Schmuckstücke wie „Wir sind das morgen nur schon heute und unser Reichtum ist die Freude“.

Charme und Ehrlichkeit gibt die Stimme von Fuchs, welche ein Schlüssel dafür ist, dass der Text so ankommt und nicht unter der Musik verschwindet. Die fokussierte Präsenz wechselt sich unter den Musikern scheinbar Taktweise.

Musikalisch ist Was bleibt bin ich, eine experimentelle Freude. Das Lied trägt Dynamik und zu gleich ist es irgendwie sanft. „Was bleibt bin nur ich, ein Tor der zu oft Liebe schwor, geholfen hat es nicht, was bleibt bin ich.“ Das Lied ist ein Ohrwurm, bei dem man nicht still halten kann.
Lieder die Textlich ohne direkte Zitate, eher mit einer komplexen Sprache und starken Bildern arbeiten sind beispielsweise Ein Vöglein, Wo es dich gibt, Die Wahrheit und Ein Leichtes Mädchen. Letzteres trägt sehr spannende Gedanken zum Thema Glück in sich wirkt musikalisch überraschend. Der Text trägt diese Lieder, weil die Musik nicht bodenständig wirkt, die lässt Träumen zu.

Diese beiden Strömungen ziehen sich durch das Tiefer Album: Kopflastige Texte und „schwebende“ Melodien und auf der anderen Seite wird eine solides festes Klangfundament errichtet.

2 Teufel und die Welt ist Tief schaffen eine Art übergang der beiden Strömungen und vereinen diese Teile in sich. „Es gibt zwei Teufel, doch ich bleibe der eine“ – 2 Teufel ist ein starkes Lied, welches sich mit Zwischenmenschlichen Dingen auseinander setzt, was doch Reiter untypisch scheint. Weil die Texte einfach von Komplexität beladen sind. Wie in Die Welt ist tief deutlich wird. Herausragend ist in diesem Lied die Bridge!

Tief ist tiefer als man denkt. Das Album hinterlässt ein positives Gefühl, ein Lächeln auf den Lippen. Sowie ein paar Zitate im Kopf und die Gitarrenmelodien in den Ohren. Das komplexe Schlagzeug gerät leider erst in den Fokus, wenn man darauf achtet, dann aber richtig.

Anspieltipp

Die Welt ist tief



Tracklist:

1) Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit: 11/12

2) Wir: 8/12

3) Wo es Dich gibt: 5/12

4) Was bleibt bin ich: 10/12

5) Ein leichtes Mädchen: 7/12

6) Ein Vöglein: 4/12

7) Es wird Nacht: 10/12

8) Die Wahrheit: 8/12

9) 2 Teufel: 10/12

10) Die Welt ist tief: 11/12

11) So fern: 5/12