Donots - Karacho

Wo bleibt der Knall nach der Zündung? (6/12)

Eine meterlange Zündschnur scheint zwischen anheizenden Schlagzeug-Bass Kombinationen und der Explosion zu liegen. Die neue Donotsscheibe startet eher verhalten als erfrischend punkig mit dem Opener Ich mach nicht mehr mit. Der Song steuert klar in die richtige Richtung, verspricht etwas neues, als den bisherigen Klang der Band. „Ich weiß genau, was ich nicht will, ich glaub an mich ich brauch nicht viel, ein letzter Gruß vom Schleudersitz… mach’s gut, von jetzt an mach ich nicht mehr mit.“ Klingt viel versprechend doch verpufft der Gedanke, da das Lied sonst inhaltlich und musikalisch nicht sonderlich viel zu bieten an.

Dann ohne mich ist eines der beiden Schmuckstücke mit Lieblingslied Charakter. „Der Kopf aus Holz wäre gern Eisern,… denn Idioten sind nicht lang alleine… der Dumme hält die Flagge am höchsten… kein Mensch ist illegal.“ Paroli ohne große Phrasendrescherei. Das Lied bezieht wunderbar Stellung, hat Spannung und einen Guten Text, der wie ein braver Antinazisong mit ganz viel Wut wirkt. Allerdings wirkt er seriös, da er auf typisch linke Ironie verzichtet, sondern einfach einen Standpunkt markiert. Musikalisch wird es allerdings zwischendrin fast schon etwas poppig und damit doch schwammig. In diese Gestaltung reihen sich viele Elemente der verschiedenen Lieder ein. Ohohohoh stellen scheinen aller 3 Minuten Standard zu sein. Live funktioniert das sicher gut, auch kraftvoller echo/hall lastiger Gesang bietet sich da an, auf der Platte wirkt es allerdings etwas nach Stimmungsmache ohne Fundament. Man kann sich nicht ganz drauf einlassen. So folgt der ein oder andere fröhliche Song ohne großes Geschehen, ohne große Worte und ohne große Besonderheiten. In kleine Details kann man sich dennoch verlieben. So bietet beispielsweise Du darfst niemals Glücklich sein ein wunderbares Standbild der Gesellschaft mit einer Dominanz der Gitarre. Kaputt dreht endlich das punkig, freche image in den Vordergrund und mit Weiter werden auch noch die Akustikfans ins Boot geholt. Hier also Weg scheint von Jennifer Rostock inspiriert und der Drang sich selbst zu feiern und die momentgeladene Coolness auszuleben wird mit Das Ende der Welt ist längt vorbei zelebriert.

Besonders gut ist das Lied Kopf bleibt oben gelungen. Es wirkt ausbalanciert und überdacht. Der Text bewegt sich zwischen Tiefe und Oberflächlichkeit und durch die Schlagzeug Bass Kombination geht das Lied einfach nur in Herz und Füße. Es ist kraftvoll, bissig und vielschichtig. „Lieber falsches Pferd als hohes Ross“ und „der Kopf bleibt oben das Herz bleibt an“ laden charmant zum Mitsingen ein. Kein ohohoh, keine monotone Gitarre, viel mehr ein verspieltes Instrument mit einem schwachen Solo aber guten Zwischenspielen. Absolutes Herzstück des Albums und qualitativ viel hochwertiger als die anderen Stücke.

Das Letzte Stück Hansaring 2:10 Uhr macht den Eindruck eines hidden track. Allerdings ist es sehr sympathisch und ehrlich dahergesungen, Lagerfeuercharme kommt auf, und ein „Ich will mehr“-Gefühl? Aber wovon?

Das Album dudelt eher daher und scheint live sicher zu funktionieren, allerdings verkörpert es mehr den Charme einer gelungenen Vorband. Vielleicht etwas enttäuschend, wenn man mit Erwartungen daran geht. Musikalisch ist es einfach gehalten und eben was fürs Radio, Feiern und genießen, für wirkliche Genießer allerdings bietet es wenig. Gute Aussagen, und ein peppiges Erlebnis ein guter Versuch – aber ob davon noch mehr kommt? Karacho stellt man sich irgednwie anders vor.

Anspieltipp

Dann ohne mich



Tracklist:

1) Ich mach nicht mehr mit: 7/12

2) Dann ohne mich: 9/12

3) Junger Mann zum mitleiden gesucht: 4/12

4) Problem kein Problem: 5/12

5) Du darfst niemals glücklich sein: 8/12

6) Kaputt: 7/12

7) Weiter: 5/12

8) Kopf bleibt oben: 11/12

9) Hier also weg: 9/12

10) Straßenköter: 3/12

11) Das Ende der Welt ist längst vorbei: 7/12

12) Besser als das: 7/12

13) Immer noch: 4/12

14) Hansaring 2:10 Uhr: 6/12