Jupiter Jones - Entweder geht diese scheußliche Tapete - oder ich

„Immer muss es weiter gehen, mein Freund“ (8/12)

Starke Worte, Phrasen, Formulierungen treffen auf breiigen Gitarrenmatsch mit wenig Bass und seichtem Schlagzeug.

„Du gehst nicht über Leichen, denn du liegst ja mittendrin.“ – im Opener Alleiner wird schon klar angesprochen worum es geht: Selbstbild in der Gesellschaft. Was an Jupiter Jones schön ist: Jammern auf Hochhausniveau. Sodass man sich beim abnicken und „Recht geben“ eher ertappt als beim kritischen Hinterfragen. Die klaren Du – Formulierungen tragen sich durch das Album und einen selbst durch jede art der Sinneskrise. Das faszinierende daran ist durch den rockigen Unterton, bekommt man ein gutes Gefühl – das Gefühl von Stärke. „Erzähl mir nichts von Zeit, und was sie alles heilt, es ist der Weg nicht wer ihn geht, es ist das wie nicht wo du stehst“. Nikolas Müller hat einige Lebensweisheiten parat. Kleine Ohrwurmmelodien entstehen bei den beiden Gitarren eher selten, da sie eher schwammig daher kommen. Manche Bridge/Solo Kombination überrascht dann doch: „Fulda, Horasplatz“. Ein möglicher Grund: die Gitarren können nicht gefühlvoller klingen als Müller singen kann. Kraftvoll und bis an die kratzige Grenze brüllt er die kleinen Taschenwahrheiten heraus: „Hab den Mut und schmeiß es raus, was sich traurig in dein Herz irrt“, „Und die Einsicht seht dir nicht, nur der Stolz sitzt wirklich gut“ und „immer muss es weiter gehen, mein Freund“ sind nur Beispiele.

Musikalisch ragt nur die Ballade „Oh hätt ich dich verloren“ aus dem Einheitsbrei heraus, geht aber textlich doch etwas unter. Besondere Schätze sind „Wir sind ja schließlich nicht Metallica“, „Zwischen der Zeit“, „Luft Malen Und Wunder Erklären“, „Alleiner“ und „Fulda, Horasplatz“.

Ab und an, darf die Gitarre ihren ehemalig punkigen Grundton ausleben, sonst ist sie für Rhythmik zuständig. Das Schlagzeug wird nie richtig ausgespielt, verbleibt akzentuiert bei Highhead und Becken. Den Bass sucht man meist leider vergeblich. Doch sind diese nicht unbedingt nötig, denn Worte bieten hier Komplexität und Tragweite.

Anspieltipp

Zwischen der Zeit



Tracklist:

1) Allgemeiner: 8/12

2) Luft malen und Wunder erklären: 9/12

3) Im Januar, im Schlaf: 7/12

4) Oh hätt ich dich verloren: 8/12

5) Wir sind ja schließlich nicht Metallica: 11/12

6) Land in Sicht: 4/12

7) Zwischen der Zeit: 8/12

8) Fulda, Horasplatz: 9/12

9) Not statt Böller: 5/12

10) Vom Aufstehen und Fallen (Momentaufnahme2): 6/12

11) An diesem Morgen: 7/12

12) Weitergehen: 8/12