Madsen - Kompass

So oft will man selten „weiter“ drücken. (3/12)

Die erste Singleauskopplung Sirenen scheint solide, schlagzeuglastig, laut und peppig mit einem guten Text. Mit typischer rotziger Madsenerscheinung geht man an Kompass heran. Und wird in einer Linie enttäuscht. Ab und an ein netter Gitarrenriff und darüber Phrasendrescherei, leere Bilder und allgemein schwache Texte, die in verkitschte schwache Liebeslieder ausarten. „Ohne dich wär’ das Leben vielleicht viel leichter, es wäre nur nicht das Leben, dass ich will“ (Leichter) Das Lied ist ausgefüllt mit dem Charme einer dreizehnjährigen Schülerband die sehr gut ihre Instrumente beherrschen. Es ist nicht zu vergleichen mit den alten Madsen-Scheiben. In Küss mich erkennt man zumindest die Note der Band wieder, allerdings ist es weder ein Ohrwurm noch von einem guten Gedanken getragen. Kompass das Titellied und an sich ein flexibles schönes Bild wird durch uhuhuh Gesang gerahmt und Sebastian Madsen hat seine ausbrechende kraftvolle Stimme unnötig stark im Griff.

Oft fragt man sich auch, was das Lied nun genau aussagen soll. Ich trink nur eben aus hat ab und an eine gute Zeile dabei, ist aber nicht greifbar: „über 70 Brücken werde ich gehen, ihr werdet sehen, ich werde diese Welt verändern! Es ist klar ich wird ein Star! Ich hör schon den Applaus ich trink nur eben aus.“

Das Liebeslied von Heute ist gespickt mit Arroganz und Selbstzweifel. Ich bin korrupt beherbergt Zeilen wie „ich bin bestechlich, also pass gut auf mich auf“ oder „Alle meine Freunde warnen mich, dieses Mädchen ist nicht gut für dich“ Diese zwei Zeilen beschreiben sehr gut den Tonus des Albums. Mit Unerreichbar erlangt man den Höhepunkt des verwirrenden Gefühlsbreies. Es dudelt ist im Gegensatz zu einigen anderen Stücken nicht vor sich hin, sondern ist wirklich lahm. Graue Welt fängt den Funken der Gesellschaftskritik wieder ein. Allerdings packt das Lied nicht, auch wenn endlich mal Geschrien wird.

Und Nochmal: „Sehnsucht und Verstand reichen sich selten nur die Hand, doch weil es auch in der Hölle auf Erden noch Wunder gibt. Küss ich dich so als gäbe es kein Morgen“.

Danach hat man auch wirklich genug und zweifelt genug an sich selbst. Selbst das rockige Intro von Leuchttürme reißt einen nicht mehr aus dem dahindudelnden, leeren Trott. Auch wenn das Lied zu den Stärken der Platte gehört, sind diese nicht stark genug.

Man wird mit jedem Track etwas mehr enttäuscht.

Anspieltipp

Kompass



Tracklist:

1) Sirenen: 8/12

2) Leichter: 2/12

3) Küss mich: 5/12

4) Kompass: 4/12

5) Ich bin korrupt: 2/12

6) Ich trink nur eben aus: 4/12

7) Fluten: 2/12

8) Unerreichbar: 0/12

9) Graue Welt: 3/12

10) Nochmal: 2/12

11) Über die Berge: 1/12

12) Leuchttürme: 6/12