Marcel Brell - Alles gut solang man tut

Das „Ich will mehr davon“ – Gefühl (8/12)

Vom ersten Lied „Das Entscheiden“ packt Marcel Brell den Hörer an sein Herz und in seinen Kopf. Harmonisch, geben Schlagzeug und Bass eine jazzig angehauchte Basis für das Lied. Streicher, Klatschen, Akustikgitarre – und die Füße klappern mit. Ein Ohrwurm, der textlich absehbar und kurz später sonderbar daher kommt. Wie kann man etwas negatives so positiv ausdrücken?

„Ich bin wie meine Wohnung, so voll und trotzdem leer! Mein Kopf ist eine Kugel, die mich ständig überrollt. Ich müsste mal was machen. Weil denken Silber ist und Handeln Gold.“ (Alles gut solang man tut) Musikalisch klingt dieses Goldstück ein wenig wie Felix Meyer – durch den dominanten Bass geprägt. Text und Musik wurden liebevoll mit Details zusammen gespickt. Wie das erste Lied, schwächelt es etwas gegen Ende hin, da keine neuen Gedanken folgen. Die Gute Laune jedoch bleibt. Allgemein klingt das Album aufgeweckt und munter.

Auf den Punkt formuliert ohne klassische Singer/Songwriter Klischees auszuschlachten tänzelt sich Marcel Brell in den Gehörgang. „Ich hab ein Ausweis und weiß nicht wer ich bin… Meine Hände wollen so gerne etwas spüren, doch mein Herz kann ich nicht selbst berühren!“ (Nur den Augenblick) Die Lieder sind wie Klappentexte eines Buches, gern würde man die Geschichte dahinter erfahren. Bei Thalia würde Zeitgeschehen und Romantik auf dem zugehörigen Regal stehen.

Highlight: Wo die Liebe hinfällt. Ehrlich, charmant, persönlich untermalt mit einem weichen Cello: „Wo die Liebe hinfällt steht sie wieder auf. Ich weiß du kannst kein Blut sehen, komm ich mach n‘ Pflaster drauf und der Rest geht von alleine, du weißt, dass es nicht eilt und jetzt hör mal auf zu kratzen, weil das sonst nicht verheilt.“ Ein Duett mit Alin Coen, welche durch ihre Stimme dem Lied etwas unangenehm, schwermütiges gibt.

Spannung pur entsteht durch „Der Schlüssel steckt“ Man fühlt sich bedrückt und gestresst durch die geniale Musikalische Umsetzung, die mit dem Text Hand in Hand geht. Kräftig lastet es sofort in einem, und der besungene Charakter kommt einem bekannt vor. Der Refrain schafft die nötige Distanz sich mit dem Gegenüber zu identifizieren.

Schwachstellen hat das Album allerdings auch: Weggehen um Anzukommen, Du bist, Für jeden was dabei und Maria Piers sind mehr Lückenfüller und von Komplexität nicht mit den anderen Liedern zu vergleichen. Jedoch liest man doch nicht jedes Buch, auch wenn das Genre stimmt.

Zu viel Glück verwirren durch die instrumentelle Gestaltung am Anfang und am Ende. Doch es verbirgt sich eine Art Tagtraum dahinter. „ Du kannst nicht für uns beide Schwimmen, ich will nicht mit dir untergehen… Ich hoffe du kannst mir verziehen, mir ist grad alles hier zu klein. Das ist mir zu viel Glück“

Marcel Brell hinterlässt ein grinsen und ein ich will mehr Gefühl. Man hört jedoch ausgewählte Stücke lieber zehnmal hintereinander, als das Album komplett. Es scheint auch kein roter Faden erkennbar. Thematisch ähnlich aber dennoch auseinander gerissen umarmen einzelne Stücke die Seele.

Anspieltipp

Das Entscheiden



Tracklist:

1) Das Entscheiden: 8/12

2) Alles gut, solang man tut: 9/12

3) Nur den Augenblick: 11/12

4) Wo die Liebe hinfällt: 12/12

5) Weggehen um anzukommen: 2/12

6) Der Schlüssel steckt: 11/12

7) Maria Piers: 2/12

8) Du bist: 5/12

9) Zu viel Glück: 11/12

10) Schweigen mit Dir: 5/12

11) Und ich geh: 10/12

12) Für jeden was dabei: 3/12