Maxim - Staub

Poppiges Tagebuch. (5/12)

Maxim packt alle gängigen Instrumente zusammen und lässt sie übereinander laufen. Es entsteht ein komplexes Klangwerk, das leider auf Ohrwürmer verzichtet.

Im Vordergrund steht ein dynamisches Schlagzeug. Streicher füllen die hohen Nuancen. Gitarre oder Bass dürfen für einzelne Abschnitte in den Vordergrund. Der Zwischenraum wird dann elektrisch bis zum Rand gefüllt.

Die Stimme von Maxim Richarz wirkt monoton und kraftlos, geeignet für die meist melancholischen Texte. Wer gesangliche Höchstleistung erwartet, sollte weghören. Ein kratziger Unterton erinnert ein wenig an Casper. In einem lebendigen Sprechstil werden die Worte im Vordergrund platziert. Um die richtigen dafür zu finden, stand Judith Holofernes (Wir sind Helden) zur Seite. Die Texte sind getragen vom typischen jammern eines Betroffenen. Verlorene Generation, Verlorene Liebe, Verlorenes Selbstgefühl – um es kurz zu machen.

Unter vielen gebrauchten Metaphern finden sich ein paar frische: „Du vergisst die Mückenstiche wenn du an den Sommer denkst“ und „Und der Zug zieht mich langsam an Dir vorbei“ sind dafür nur Beispiele.
Es bleibt dennoch das Gefühl, dass Maxim von sich selbst erzählt – 14mal hintereinander. Die Lieder ähneln sich in ihrer Gestaltung und ihren Themen und man fragt sich ob man einzelne Stücke schon einmal gehört hat. Aus dem breiigen blitzen folgende Stücke heraus: „Vielleicht in einem anderen Leben“: ein Liebeslied, das nicht nur wehleidig, sondern ehrlich wirkt und eher Momentromantisch als kitschig ist. Zudem ist es musikalisch zurückhaltender und damit nicht so anstrengend. Gitarre mit Flageolett-Tönen und einem sanften Schlagzeug wirken als entspannender Kontrast. Auch „Wut“ ist eines der stärkeren Lieder: ein solides Mittelstück mit einem starken Refrain. „Und ich weiß genau diese Welt ist nicht fair und das bedauere ich sehr, aber wütend macht es mich schon lang nicht mehr. Ich hab meine Ruhe verloren“.

Während in der Mitte des Albums Lieder untergebracht sind an die man sich schon drei Minuten später nicht mehr erinnert, denkt man sich bei „1980 – 2010“ – einem geeigneten Opener – noch, dass jemand mit Liedermachertexten den Zahn der Zeit packen könnte. Jedoch wird später nur auf dem gleichen Motiv wieder und wieder herumgekaut.

Der Titel Staub passt sehr gut – das Album wirkt etwas Dumpf und verkörpert mehr stillstand als Tatendrang. Allerdings finden sich auch textliche Schätze unter dem Staub. Für ein Album ist es zu monoton aber einzelne Lieder haben Hintergrundmusik- oder Playlist- Charakter.

Anspieltipp

Übermensch



Tracklist:

1) 180-2010: 7/12

2) Meine Soldaten: 8/12

3) Rückspiegel: 4/12

4) Lieber bluten als frieren: 3/12

5) Pfennig ohne Glück: 7/12

6) Staub: 6/12

7) Haus aus Schrott: 2/12

8) Einsam sind wir alle: 2/12

9) Vielleicht in einem anderen Leben: 8/12

10) Hier: 4/12

11) Wut: 6/12

12) Übermensch: 5/12

13) Einen Winter noch: 2/12

14) Alles versucht (2.0): 5/12