Silbermond - Leichtes Gepäck

Einmal zum Mitnehmen bitte. (8/12)

„Es kann sein, dass ich dabei mein Kopf riskier und es kann passieren, dass ich mit blutigen Händen vor deiner Tür steh‘ und vielleicht brauch ich dich dann um gebrochene Knochen zu richten.“

Wer gesteht sich gern Schwäche ein?

Nachdem das Letzte Album „Himmel auf“ der Bautzener Band mehr daher geduldende Melodien enthält, ist „Leichtes Gepäck“ gespickt mit Spannung und mehr Ursprung der Band. Der Titelsong des Albums bietet das, was man erwartet, wenn man eine Silbermondplatte einlegt. Einen gängigen Rhythmus, etwas Kritik und einen guten, flüssigen Text. Gespickt mit dem Mitsingcharakter: „Ab heut nur noch die wichtigen Dinge!“

Silbermond baut auf das, was sie beherrschen wie kaum ein anderer. Balladen ohne Schmalz. B96 und Allzu Menschlich sind dafür Vorzeigestücke.

„Und kaum ein Mensch kommt je vorbei. Im Hinterwald, wo mein zu Hause ist. Schön wieder hier zu sein… und seit 20 Jahren brennt da Licht überm Stammtisch und seit 10000 Jahren zerreißen Menschen sich Mäuler über alles und jeden, also alles beim alten hier an der B96“ Man kann Balladen eben nicht nur über Beziehungen schreiben. Diese Hassliebe bezüglich des Heimatgefühls wird eigentlich so mancher Generation bewusst die die Heimat verlassen hat.

Manche Lieder sind doch gespickt mit etwas viel Füllmaterial. Langsam macht vor allem im Refrain den Eindruck. Das Lied hat aber seine Stärken definitiv in dem Spiel mit Leise und Laut. Es ist keine perfekte Ballade, sondern gespickt mit experimentellen Gitarrenklängen und einem flotten Schlagzeug.

Die Stimme von Stefanie Kloß wirkt trainierter. Man erkennt Gesangstechniken und erkennt vor allem in Liedern wie Indigo, dass sie ihre Stimme unter Kontrolle hat. Was nah an der Grenze ist zu einem sehr technischen Gesang. Man unterschätzt das Lied anfangs, nach mehrmaligem Hören wird es jedoch echt zum Ohrwurm. Heut hab ich Zeit ist ein Lied, das durch Text und melancholische Umsetzung Wirkung erzielt. Jedoch liegen auf der Stimme sehr viele Effekte oder es liegen mehrere Stimmspuren übereinander. ähnlich ist es bei Fische im Teich. „Wir schmiegen uns an Menschen um nicht zu erfrieren. Alles verändert sich und alles bleibt gleich.“ Musikalisch ist es jedoch eher langweilig gestaltet. Sie haben was zu sagen verpacken es aber nicht artgerecht. Gerade bei diesem Lied ist es spannend wie es auf einem Konzert umgesetzt wird. Da die Mischung aus Streicher und Paukenschlag sehr dominant sind.

Bittersüß konnten sie schon immer. Das Leichteste der Welt ist eine Ballade die so reell formuliert ist, dass es kneift und schmerzt: „Und ich, ich kann nicht mal richtig schlafen ohne irgendwas zu nehmen. Und du stehst längst mit beiden Beinen im neuen Leben als wäre es das Leichteste der Welt.“

Das Schmuckstück des Albums haben sie klar an das Ende gestellt. Allzu Menschlich ist ein wertschätzendes Lied, dass so gefühlvoll daher kommt ohne dahinzuschmachten. „Manchmal gebe ich dir meine Hand, so dass du ein Halt hast. Spiel die Starke aber ehrlich bin ich alles andere als das. Ist das nicht menschlich? Allzu menschlich? Manchmal schmück ich mein schönstes Kleid mit Federn von Fremden. Schlag dann Schaum auf bis irgendwer kommt mir Anerkennung zu schenken. Ist das nicht menschlich? Allzu menschlich?“

Textlich ist das Album wirklich ausgereift. Nichts wirkt daher gesagt oder nachgemacht, allerdings wirken einige Effekte doch überlagert oder beschweren das Lied unangenehm.

Anspieltipp

B96



Tracklist:

1) Intro (Die Mutigen): 9/12

2) Leichtes Gepäck: 9/12

3) B96: 9/12

4) Langsam: 8/12

5) Indigo: 7/12

6) Das Leichteste der Welt: 10/12

7) Heut hab ich Zeit: 5/12

8) Lass mal: 5/12

9) Fische im Teich: 5/12

10) 10) Allzu menschlich: 12/12

11) Himmel in die Stadt: 7/12

12) Zeit zu tanzen: 10/12